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Contributed by Hubert Hanghofer   
01. September 2006 um 01:39
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Was ist ein MOD?
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Rede von Herrn Stefan Koller auf der Brauwirtschaftlichen Tagung in Weihenstephan. -Mit freundlicher Genehmigung vom Bayerischen Brauerbund.

51. Brauwirtschaftliche Tagung in Freising
Grußwort des Bayerischen Brauerbundes
Stefan Koller, Vizepräsident

Meine sehr geehrten Damen und Herren,

im Namen des Bayerischen Brauerbundes, des traditionellen Schirmherren dieser Veranstaltung, darf ich Sie zur 51. brauwirtschaftliche Tagung in Freising herzlich willkommen heißen.

Wissen Sie, was ein "MOD" ist?

Müssten Sie eigentlich, denn in den Augen der Weltgesundheitsorganisation sind wir alle "MOD's", Sie und ich. "MOD" ist eine Abkürzung. Sie steht für "Merchants of death" und meint neben Waffenhändlern, Drogendealern und der Tabakindustrie eben auch uns, die wir von der Herstellung und vom Vertrieb alkoholhaltiger Getränke leben. Es ist schon eine seltsame Gesellschaft, in die wir da geraten sind!

Und eine brandgefährliche Ecke, in die man uns zu stellen versucht! Weil die Gesundheits- und Alkoholpolitiker der WHO auf europäischer, Bundes- und selbst Landesebene dem Alkoholkonsum den Kampf angesagt haben. Dem Konsum wohlgemerkt! Es wird nur unterschieden zwischen Abstinenzlern und Konsumenten, nicht jedoch zwischen Genuss und Missbrauch.

"Aber nicht doch", werden ihnen die Alkoholpolitiker an dieser Stelle entgegnen, natürlich wolle man ausschließlich den Missbauch bekämpfen, gegen das eine oder andere Gläschen Bier oder Wein habe man doch gar nichts! Es drängt sich der Verdacht auf, dass dies zumindest bei einem Teil der Alkoholpolitiker Lippenbekenntnisse sind, denn das Instrumentarium, mit dem man dem Alkoholmissbrauch begegnen will, zeichnet ein völlig anders Bild.

Ohne Ihnen die durch die Wirren des Biermarktes ohnehin seit Jahren getrübte Stimmung weiter vermiesen zu wollen, sollten wir uns darüber im Klaren sein, was auf uns zukommt, wenn die gegenwärtig auf EU-Ebene diskutierte Alkoholpolitik Platz greift.

Grundsätzlich folgt die EU wie die WHO auch der sog. "Ledermann-Theorie": Dieser aus den 60-er Jahren des letzten Jahrhunderts stammende Ansatz des Französischen Mathematikers Sully Ledermann geht davon aus, dass die nachteiligen Konsequenzen des Alkoholkonsums in dem Maße zunehmen, in dem der Durchschnittskonsum der Bevölkerung ansteigt. Im Umkehrschluss folgert er, dass man diese nachteiligen Folgen des Konsums alkoholhaltiger Getränke dadurch in den Griff bekommt, dass man den Durchschnittskonsum senkt. Ideal: Kein Konsum. Keine Probleme!

Die Alkoholpolitiker rufen folglich bis heute nach Maßnahmen, die auf die Reduzierung des Durchschnittskonsums abzielen. Dieser alkoholpolitische Ansatz, meine Damen und Herren, ähnelt dem Versuch der Bekämpfung des Löwenzahns durch Rasenmähen: Sieht nachher schön aus, hat aber nicht wirklich etwas gebracht.

Augenwischerei, politische Effekthascherei, blindwütiger Aktionismus, der nicht nur die breite Masse derjenigen, die ebenso moderat wie verantwortungsbewusst mit alkoholhaltigen Getränken umgehen, verunsichert, ja fast kriminalisiert, sondern völlig ohne Not die gesamte sog. Alkoholwirtschaft und die dieser vor- und nachgelagerten Wirtschaftszweige in Bedrängnis bringt, ohne - und das ist das Entscheidende - dem Ziel einer wirkungsvollen Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs auch nur einen Schritt näher zu kommen.

Null-Promille-Grenze für Fahranfänger, Senkung der derzeit geltenden allgemeinen Promille-Grenze, Werbebeschränkungen, Warnhinweise auf dem Etikett, lizensierte Abgabestellen, Präventionsabgaben, eine Erhöhung der Alkoholsteuern, Heraufsetzung des Abgabealters für Bier und Wein auf 18 Jahre, wie es bislang für Spirituosen gilt, u.s.w.:
Dies sind die Instrumente, die derzeit diskutiert werden, um dem Ziel einer Senkung des Durchschnittskonsum an Reinalkohol in der EU näher zu kommen. Um 25% möchte die EU den Reinalkoholkonsum in Europa bis 20010/2011 senken. Was das in unseren Breitengraden, in denen ca. 75% dieses Reinalkoholkonsums auf Bier entfallen, für die Brauwirtschaft bedeutet, können Sie sich leicht ausmalen.

Am Ansatz an sich geübte Kritik jedoch prallt an den verantwortlichen Politikern schlicht ab. Dabei ist offensichtlich, dass er unsinnig ist. Der Durchschnittskonsum an Reinalkohol in Deutschland liegt derzeit bei 10,2 Litern pro Kopf und Jahr. Teile ich diese Menge durch 365 Tage, so komme ich auf noch rd. 28 Milliliter pro Kopf und Tag. Umgerechnet in Gramm entspricht diese einer Tagesdosis von 23,3g.
Nun muss ich fairer Weise die unter 16jährigen herausrechnen, deren Anteil an der Gesamtbevölkerung demographiebedingt immer weiter sinkt und derzeit noch gut 20 % beträgt. Damit ergibt sich ein rechnerischer Tagekonsum der über 16jährigen von ca. 30g Alkohol.

Entsprechend den Aussagen der Deutschen Gesellschaft für Ernährung ist eine Tagesdosis in dieser Größenordnung selbst dann unschädlich, wenn sie regelmäßig konsumiert wird.
Wenn eine große Gruppe moderater Konsumenten ihren Konsum weiter reduziert, eine kleine Gruppe hingegen ihren Konsum in bedenklichem Maße ausweitet, senken wir vielleicht statistisch den Durchschnittskonsum. Der Volksgesundheit aber erweisen wir so faktisch einen Bärendienst!

Der Durchschnittskonsum ist ein völlig untaugliches Maß, die Missbrauchsintensität zu beurteilen! Entscheidend ist vielmehr die exakte Verteilung des Gesamtkonsums. Und hier haben wir eine große - und wachsende! - Gruppe von Abstinenzlern, die breite Masse der verantwortungsvollen, moderaten Konsumenten und die kleine Gruppe derjenigen, die zu einem verantwortungsvollen Umgang mit Alkohol nicht oder nicht mehr in der Lage sind. Dieser Gruppe muss das alkoholpolitische Augenmerk gelten. Und auch unseres, das der Hersteller alkoholhaltiger Getränke. Aber auch nur ihr!

Dass der alkoholpolitische Ansatz der Bekämpfung des Durchschnittskonsums unsinnig ist, lässt sich jedoch auch statistisch leicht belegen: Seit der deutschen Wiedervereinigung ist der Alkoholkonsum in Deutschland um rd. 25% gesunken. Dies ist ziemlich genau die Quote, um die die WHO den Konsum gesenkt sehen möchte in der Annahme, dadurch missbräuchliche Konsummuster zu verhindern oder doch wenigstens zu reduzieren.
Trotz dieses gesunkenen Alkoholkonsums werden die Klagen über den Alkoholmissbrauch insbesondere bei Jugendlichen aber eher lauter als leiser.



Last Updated ( 29. September 2007 um 00:46 )
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