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Beitrag von Hubert Hanghofer   
01. September 2006 um 01:39
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Was ist ein MOD?
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Meine Damen und Herren, warum erzähle ich Ihnen das alles in epischer Breite?

Weil wir uns zur Wehr setzen müssen - beizeiten und vor allem gemeinsam. Gerne wird der Vergleich mit Bekämpfung des Nikotinkonsums in der EU gezogen. Aber er ist ebenso falsch wie er uns vor Augen führen muss, wie gefährlich die derzeitige EU-Alkoholpolitik für uns alle ist oder doch wenigsten auf Sicht zu werden vermag.

Falsch ist der Tabak-Alkoholvergleich, weil selbst der Konsum geringer Tabakmengen immer schädlich ist, der moderate, selbst regelmäßige Alkoholgenuss jedoch ebenso unstreitig und wissenschaftlich belegt nicht nur einem gesunden Organismus nicht schadet, sondern er sogar gesundheitliche Vorzüge insbesondere für das Herz-Kreislauf-System entfaltet.

Und während Rauchverbote in öffentlichen Gebäuden oder in der Gastronomie noch mit den Schutzinteressen der Passivraucher begründbar sein mögen, dürfte Einvernehmen darüber herrschen, dass das Risiko des Passivtrinkens außerordentlich gering ist.

Und der Tabak-Alkohol-Vergleich zeigt uns die Gefährlichkeit des Ansatzes, weil die EU offenkundig unbeirrt ihren Weg geht, wie man an den bereits ausgesprochenen Werbeverboten für Tabakwaren, an den systematischen Steuererhöhungen auf diese Erzeugnisse und an den um sich greifenden Rauchverboten bis hinein in die Gastronomie leicht erkennt. Und die Debatte um eine Strafsteuer auf Alkopops lässt erahnen, was auch auf uns zukommt, wenn wir uns als Alkoholwirtschaft im Allgemeinen und als Brauwirtschaft im Besonderen nicht bei Zeiten und vernehmbar zur Wehr setzen. Da dürfen wir uns noch glücklich schätzen, dass die Zuständigkeit für Gesundheitsfragen eben nicht bei der EU sondern bei den Nationalstaaten liegt, wie die Bundesrepublik in Zusammenhang mit dem von der EU verordneten und gesundheitspolitisch motivierten Werbeverbot für Tabakerzeugnisse gerade durch den EuGH erneut feststellen zu lassen versucht.

Solange diese Rechtsauffassung Bestand hat, kann sich Deutschland - notfalls isoliert - dem europäischen Überregulierungswahn auch in Sachen Alkohol widersetzen. Sollte der EuGH jedoch das übergeordnete Schutzinteresse der Volksgesundheit der ohnehin ausufernden EU-Allzuständigkeit zuschieben, auch die bislang weitgehend moderate deutsche Alkoholpolitik wäre in ihrem Bestand gefährdet.

Leider mache ich mir nach den bisherigen Erfahrungen wenig Hoffnung, dass wir diese Gefahr mit guten Argumenten allein abwenden könnten. Denn wir haben es, meine Damen und Herren, mit Ideologen zu tun, mit Menschen die sich persönlich oftmals für einen Lebenswandel ohne Tabak und ohne Alkohol entschieden haben - was ihre Sache ist - die aber alles daran setzen, auch anderen ihren asketischen - darf ich sagen spaßfreien - Lebenswandel aufzuzwingen. Ich bin nicht einmal sicher, ob es ihnen letztlich wirklich um die geeignetesten Mittel zur Bekämpfung des Alkoholmissbrauchs geht oder ob das Argument der Missbrauchsbekämpfung nicht herhalten muss, um Instrumente gegen den Alkoholkonsum selbst durchzusetzen.

Unter der Tarnkappe des unabhängigen Kämpfers gegen den Alkoholmissbrauch finden diese selbsternannten Gutmenschen bei der Politik immer weder Gehör und machen ihren Einfluss in für uns gefährlichem Maße geltend. Sie rechnen die wirtschaftlichen Schäden, die sie dem Alkoholkonsum zuschreiben, in beeindruckende Dimensionen hoch, bleiben aber einerseits verlässliche und belastbare Quellen oft schuldig und verschweigen andererseits die wirtschaftlichen Leitungen der sog. Alkoholwirtschaft und der dieser vor und nachgelagerten Wirtschaftszweige völlig.
Sie reden über die gesundheitlich schädlichen Folgen des Alkoholkonsums in Deutschland, verschweigen aber den gesundheitlichen Nutzen des moderaten Genusses alkoholhaltiger Getränke.

Während sonst allerorten das Leitbild vom mündigen, aufgeklärten Konsumenten vorherrscht, der eigenverantwortlich Kauf- und Konsumentscheidungen zu treffen in der Lage ist, wird in Zusammenhang mit Alkohol der Mensch zum Konsumtrottel degradiert, der vor allem vor sich selbst zu schützen ist.

Wir haben Verbündete im Kampf gegen eine solche Politik, denn sie würde die Winzer, die Spirituosenhersteller und die Sektkellereien ebenso treffen wie uns. Gemeinsam müssen wir uns zur Wehr setzen.

Und wir haben Freunde. Bier ist in Deutschland, insbesondere in Bayern ein Kulturgut. Es ist integraler Bestandteil bayerischer Kultur und Lebensart, nach innen identitätsstiftend, nach außen imageprägend. Die Konsumenten werden es sich nicht gefallen lassen, wenn man ihnen auch noch das Bier am Feierabend madig zu machen versucht, wenn sie in großer Zahl in alkoholpolitische Sippenhaft genommen werden sollen für den überschaubaren Kreis derer, die Alkohol missbräuchlich konsumieren.

Die Technik in den Brauereien konzentriert ich darauf, ein hervorragendes Produkt herzustellen Die Kaufleute schaffen die ökonomischen Voraussetzungen für eine kostengünstige, wettbewerbsfähige Produktion. Vertrieb und Marketing kümmern sich um den Absatz.

Unsere Aufgabe als Verbände ist es jedoch, gemeinsam mit den Brauereien die Voraussetzungen zu schaffen, dass die Vermarktung unserer hervorragenden Erzeugnisse nicht unangemessen behindert wird.

Unsere Aufgabe wird es aber auch sein, der Politik dort die Hand zu reichen, wo es darum geht, glaubwürdig auch als Teil der Alkoholwirtschaft einen Teil der Verant-wortung für unser Produkt dort zu übernehmen, wo es zweifelsfrei missbräuchliche Konsummuster gibt.

Der Deutsche Brauerbund und seine Landesverbände werden deshalb in den nächsten Tagen anlässlich des Deutschen Brauertages eine Kampagne auf den Weg bringen, mit der die Verbände und die diesen angeschlossenen Brauereien ein klares Signal setzen werden für den verantwortungsvollen Biergenuss und gegen den Alkoholmissbrauch.

Wie setzen drei Schwerpunkte:

  1. "Bier bewusst genießen", um zwischen den schönen Seiten des Biergenusses einerseits und den schädlichen Folgen des Missbrauchs andererseits klar zu unterscheiden.
  2. "Don't drink and drive", um insbesondere junge Kraftfahrer für die besonderen Gefahren der Verkehrsteilnahme unter Alkoholeinfluss zu sensibilisieren und
  3. "16/18", um uns zum konsequenten Vollzug der geltenden Altersgrenzen für die Alkoholabgabe an Jugendliche und junge Erwachsene zu bekennen und insbesondere die Absatzmittler in Handel und Gastronomie zur strikten Einhaltung dieser Abgabegrenzen zu drängen.

Genauso klar und eindeutig, wie wir unsere Bereitschaft zur Mitwirkung an einer vernünftigen, zielorientierten Alkoholpolitik erklären, müssen und werden wir uns gegen unangemessene Beschränkungen unserer Werbe- und Vermarktungsfreiheit zur Wehr setzen.
Je mehr Partner wir hierbei haben, um so größer sind unsere Erfolgsaussichten.

Es geht hier für unsere Branche um einiges. Und deshalb bin ich besonders dankbar, dass ich Ihnen im Rahmen eines Grußwortes diesen Teil der Arbeit des Bayerischen Brauerbundes heute etwas näher habe vorstellen dürfen.

Freising, den 15. Mai 2005
Es gilt das gesprochene Wort



Zuletzt überarbeitet ( 29. September 2007 um 00:46 )
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