gepostet an's Hausbrauerforum [HBF] von:
Marcus Schmitz <
> Fri, 15 Feb 2002 16:29:40 +0100
Hallo zusammen!
Vor einiger Zeit war hier mal ein Beitrag zu lesen, der sich irgendwie mit dem zu hohen Rest Restextrakt beschäftigte.
Eine angebotene Erklärung war die mangelhafte Genauigkeit der Heimbrauer-Dichtemessung.
Da ich auch nur so ein Billigteil mein eigen nenne, kann ich der Erklärung etwas abgewinnen (zwar hoffentlich nicht die 2 GG% um die es ging, aber trotzdem).
Daher fände ich es ganz interessant mal so eine Art Ringanalyse mit möglichst vielen von Euch durchzuführen:
Prinzipiell ganz einfach:
Wir einigen uns auf ein paar Referenz-Medien, die jeder kaufen kann und die auch halbwegs konstant in ihren Zusammensetzungen sind.
Dann spindelt jeder mal so, wie er es immer macht und
mal halbwegs standardisiert (entkohlensäuern, auf Ref-Temp. der Spindel temperieren usw.).
Die Ergebnisse sammeln wir hier in der Liste.
Vielleicht gibt es noch jemand mit einer Präzisionsspindel/Pyknometer/Biegeschwinger, der uns als Referenz dienen kann.
Bringt jedem einzelnen vielleicht mal einen groben Überblick, in welchem Messbereich er sich auf seine Methode (nach Punkt 2.) und sein Messgerät (Punkt 3) verlassen kann.
Ein paar Vorschläge für Referenz-Medien:
Fabrikbier für den Ausstoßvergärungsgrad-Bereich (2,2 - 2,3 GG%), z.B. Warsteiner, Budweise, Corona (besonders gut geeignet, wird nicht in Lizenz gebraut!)
Alkoholfreies Erfrischungsgetränk mit viel Zucker, z.B. Coca Cola oder Pepsi (ist natürlich alles keine Werbung!)
Vielleicht irgendwas in der Richtung Fruchtsaft (große Dichte, ca. 1,045 bei Orangensaft, mehr bei Traubensaft), Fruchtsaftgetränk (SL 1,035) und Nektar, was gibt's denn da in D, AU und CH evtl auch in UK??? Punika, Granini, Onkel Dittmeier?
Ein Fabriktafelwasser für den quasi-Nullpunkt (BonAqua, weltweit einheitlich)
Einen Malztrunk könnte man mal testen (Caramalz), ich kaufe gleich mal eine Flasche
und just for fun (mal sehen ob die Spindel unten aufschlägt) Wodka, den kann man am Schluß trinken und er reinigt die Gerätschaften!
Einsendeschluß war 01. Juni 2002! Die Einsendungen wurden von Marcus Schmitz ausgewertet und mit interessanten Schlussfolgerungen ergänzt. Sein Bericht kann im Acrobat PDF-Format hier heruntergeladen werden:
Es wurde keine Vorschrift zur Verfügung gestellt, wie denn nun exakt zu spindeln sei! Auch die Vorkenntnisse und Fertigkeiten der teilnehmenden Hobbybrauer wurden somit überprüft. Lediglich folgende Hinweise und Tipps wurden gegeben:
Tipps für genaue Messungen:
Alle Referenzproben sind karbonisiert - Kohlensäure gut austreiben.
Möglichst genau bei Bezugstemperatur der Spindel messen.
Die im anglo-amerikanischen Raum üblichen SG-Aräometer (Specific
Gravity - Spezifisches Gewicht) geben das Gewichtsverhältnis der Probe zum
gleichen Volumen Wasser bei gleicher Bezugstemperatur an - oft erkennbar
am Aufdruck 20/20°C oder z.B. 16/16°C. Eine SG-Spindel wird also bei
Bezugstemperatur in destilliertem Wasser immer 1.000 anzeigen. Da SG eine
Verhältniszahl ist, sollte keine Einheit wie g/cm3
angegeben sein.
Wenn man einen Aräometer über den lokalen Laborfachhandel und
nicht vom Brauereibedarf bezieht, wird man eher Dichte-Aräometer als
SG-Spindeln erhalten. Diese sind in g/cm3 skaliert und geben direkt das
Gewichts/Volumenverhältnis an. Würden wir die Dichte analog zu SG als
Gewichtsverhältnis angeben, müßten wir das Gewicht der Probe bei
Referenztemperatur (üblicherweise 20°C) zum gleichen Volumen Wasser von
4°C (bei dieser Temperatur ist 1L bekanntlich genau 1kg) ins
Verhältnis setzen. Dieser symbolische Vergleich zur SG ist oft am
Aufdruck 20/4°C erkennbar. Im Gegensatz zum SG-Aräometer wird ein
Dichte-Aräometer bei 20°C Referenztemperatur in destilliertem Wasser
immer 0.998 (die Dichte des Wassers bei dieser Temp.) anzeigen.
Der Unterschied SG-Dichte = 1.000-0.998 = 0.002 entspricht etwa
0.5°Plato. Spielt zwar in der Hobbypraxis kaum eine Rolle, aber für
diesen Ringversuch sollten wir uns schon genau bewußt sein, woher
Abweichungen von 0,5°Plato stammen können ;-)