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Das Halloween-Experiment PDF Print
Contributed by Hubert Hanghofer   
Jan 30, 2005 at 12:00 AM
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Das Halloween-Experiment
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Heutzutage, wo immer mehr Traditionen in Vergessenheit geraten, sollte man eigentlich froh sein, wenn neue Bräuche auftauchen. Aber mit dem neuen Fest "Halloween" haben vor allem die älteren Semester Schwierigkeiten. -Müssen wir unser Kulturgut mit amerikanischen Bräuchen bereichern, damit es für die Jugend wieder attraktiv wird? Scheint so zu sein - aber bei genauerer Betrachtung kann man dem ganzen Spuk auch einige positive Aspekte abgewinnen!...

Halloween - so wie es heute gefeiert wird - ist die US-Version von "Samhain" - einem uralten heidnischen Fest der Kelten, das in Irland schon vor 5000 Jahren gefeiert worden ist und daher einen der ältesten Festtage der Menschheitsgeschichte darstellt. Die Kelten kannten nur 2 Jahreszeiten: Sommer - die Zeit der Wanderschaft und Arbeit auf dem Felde - und Winter - die Zeit des Rückzugs in den familiären Kreis. Zu Samhain - der Nacht des 31. Oktober - endete der Sommer und das neue Jahr begann mit dem Winter.

In dieser Nacht war das Zeitgefüge sehr brüchig und es öffneten sich Tore in die mystischen Welten der Toten. Die Vorfahren konnten so für eine Nacht zu den Stätten Ihres Lebens zurückkehren. Man fürchtete die Toten nicht, wollte aber ein Zusammentreffen mit ihnen vermeiden - denn so mancher Neugierige soll schon in mystische Welten entführt worden und nie wieder aufgetaucht sein. Man bereitete daher den Toten einen Gabentisch und zog sich früh zurück, wobei die Grenze zu den Lebenden mit abschreckenden Symbolen markiert wurde: Feuer und glühende Kohlen in ausgehölten Zuckerrüben haben sich für diese Ausgrenzung der Toten als besonders wirkungsvoll erwiesen.

Heidnisches Gedankengut hielt sich auch nach der Christianisierung hartnäckig in der Bevölkerung. Schlaue Würdenträger begannen daher, heidnische Festtage mit christlichen Werten "abzusegnen". Papst Gregor IV legte 837 Allerheiligen mit Samhain zusammen und die in den keltischen Gebieten herrschenden Protestanten führten im 16. Jahrhundert den "All Hallowed Evening" (abgekürzt Hallowe'en) ein.

Die Ergebnisse der "Amerikanisierung" sind uns hinlänglich bekannt - die Frage ist, ob das die letzte Frucht bleiben muss, die aus der heidnischen Wurzel gedeiht! Zugegeben: Die Riesenbeere "Cucurbita maxima" (der Halloween Kürbis) ist schon ein logischer und vor allem würdiger Nachfolger für die schrumpelige, schwer zu bearbeitende Zuckerrübe. Aber diese gigantische Frucht als abschreckend fackelnde Maske zu opfern, kann doch nicht alles gewesen sein! Mal sehen: Der Hohlraum ist beachtlich, die Isolierwirkung gut und das Fruchtfleisch der Wand besteht zum überwiegenden Anteil aus Stärke...

...haben die Kelten nicht auch Bier gebraut? -Ist es nicht das Anliegen jedes Brauers, den guten Geistern zu opfern und böse Geister fernzuhalten? -Was also liegt näher, als Samhain mit dem hierzulande traditionell verwurzelten Brauerhandwerk zusammenzuführen?



Last Updated ( Jun 05, 2005 at 03:45 PM )
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